EMC Medienberatung

Radio und Mehr - Praxis

ONE to ONE Communication

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Das Prinzip erfolgreicher Moderation im Radio, auch und gerade in Zeiten des multimedialen Web 2.0

 
 „Das Radio berührt, das Gros der Leute persönlich - sprich: "von Mensch zu Mensch" - und erzeugt eine Stimmung unausgesprochener Kommunikation zwischen Autor, Sprecher und Hörer"

Marshall McLuhan
Marshall McLuhan


Marshall McLuhan (1911-1980)
kanadischer Literatur- und Kommunikationswissenschaftler
Marshall McLuhan gilt als einer der Begründer der modernen Medien- und Kommunikationswissenschaften.
Seine Aussage zur Wirkung von Kommunikation im Radio gilt heute noch genauso, wie zum Zeitpunkt dieser Aussage, 1962.
Ich werde versuchen Ihnen im Folgenden einige Belege für das Funktionieren dieser These liefern. 
 

Beginnen möchte ich mit der Behauptung das „gutes“ Radio immer aus der Kommunikation zwischen ZWEI Menschen heraus entsteht.


Ein schönes Modell liefert hier das Internet --- Genau wenn Sie sich hier einmal die Verbreitung eines Radioprogramms anschauen wird es technisch auf dieses Kommunikationsmodell zurückgeführt. Die Verbreitung via Webradio erfolgt durch eine parallele Anzahl einzelner Streams die jeweils vom SENDER zum EMFÄNGER laufen. Im Gegensatz zur terrestrischen Ausstrahlung haben wir hier tatsächlich auch technisch eins zu eins Kommunikation, egal wie viele Streams parallel abgerufen werden es sind IMMER direkte Verbindungen (die Serverfunktion einmal außen vor gelassen) zwischen Moderator/Sender und Hörer/Empfänger.

An dieser Stelle kommt häufig der Einwand „Aber es hören ja alle das Gleiche und die Kommunikation läuft ja nur in eine Richtung!“

Stimmt das wirklich?

Betrachten Sie das Ganze mal von einer anderen Warte. Stellen Sie sich vor Sie sitzen im Studio und sprechen über das erfolgreiche Spiel ihrer örtlichen Fußballmannschaft. OK?
·    Wird nicht der Hörer der sie in einer anderen Stadt hört auch wenn er Fußball mag nicht ganz andere Schwerpunkte beim hören setzen? Zum Beispiel sein Interesse eher auf überregional bekannte Spieler richten, oder auf das Ergebnis, sofern es für seine Lieblingsmannschaft von Belang ist?
·    Wird nicht eine Hörerin allein aufgrund der unterschiedlichen Rezeption von Sprache etwas ganz anderes, wenn überhaupt, aus ihrer Moderation erinnern?
·    Wird ein FAN nicht wesentlich emotionaler angesprochen als ein NEUTRALER Hörer?
 Und so weiter, und so weiter…

Dieses Beispiel ist ihnen vielleicht zu spezifisch, deshalb hier etwas allgemeiner.
Sie kennen den Film „Warum Männer nicht zuhören, und Frauen schlecht einparken!“
Nein! Ja! Dann haben jetzt schon wieder zwei unterschiedliche Kommunikationsstränge.
Falls sie den Film nicht kennen, er dreht sich um die unterschiedliche Wahrnehmung der Welt durch Männer und Frauen, vereinfacht gesagt.
Aber daraus entstehen schon wieder mindestens zwei neue Kommunikationsstränge. Männliche Hörer --- Weibliche Hörer.
Und auch das lässt sich wieder unendlich weit herunter brechen.
Damit ist der Einwand „Es hören ja alle das gleiche“ abgehandelt, denn es hören zwar inhaltlich alle das gleiche aber jeder Einzelne hat eigene inhaltliche Präferenzen und damit eine individuelle Wahrnehmung.

Wie sieht es mit dem zweiten Teil des Einspruchs aus? „Die Kommunikation läuft ja nur in eine Richtung“
Ist das so?
Auch hier würde ich gerne ein Praxisbeispiel anführen:
Der Papst spricht auf dem Weltjugendtag in Australien. Benedikt der XVI. bedauert den sexuellen Missbrauch durch Mitglieder des Klerus.
Der Moderator äußert sich persönlich zu diesem Thema indem er den Missbrauch ebenfalls verurteilt aber deutlich macht das damit aus seiner Sicht das Thema auch abgehandelt sei.Wird diese Aussage nicht zu Reaktionen bei seinen Hörern führen? Hier ist nicht die Rede von Anrufen, e-mails, Beschwerden von wem auch immer, sondern von den Reaktionen die unmittelbar in den Köpfen der Hörer stattfinden.
Werden ein Betroffener, oder dessen Angehörige, nicht ganz andere geistige Antworten, Gedanken produzieren als ein Kirchenmann?
Ist damit nicht die Funktion der Kommunikation erfüllt?
 
Wenn das alles so stimmt warum nutzen wir dann die Möglichkeit der konkreten und direkten Ansprache an unseren Hörer so selten?